30.01.2012
Post aus München für den US-Oberbefehlshaber in Europa
Vor zwei Wochen hatte der Oberbefefehlshaber der US-Truppen in Europa, Drei-Sterne-General Mark P. Hertling, das zweifelhafte Vergnügen, den bayerischen Staatskanzleichef Thomas Kreuzer (CSU) bei sich zu empfangen. Kreuzer, so hatten Münchner Medien berichtet, hatte sich eigens in den Hubschrauber gesetzt, um direkt von der CSU-Klausur in Wildbad-Kreuth zu Hertling zu fliegen und ihn um den Verbleib möglichst vieler US-Soldaten in Bayern zu bitten.
Die NPD findet das nicht gut. Im Gegenteil hielten es die Nationaldemokraten für viel besser, wenn möglichst viele amerikanische Soldaten möglichst schnell aus Bayern abzögen. Mit ihrer weltweiten Wildwest-Politik bringen uns die USA noch in Teufels Küche, und anders als Washington und seine hiesigen Propagandatrompeten ist die NPD auch nicht der Meinung, daß uns der Iran bedroht. Die Nationaldemokraten finden zudem, daß die Amerikaner das wissen sollten.
Das tut General Hertling nun, denn im Brief des stellvertretenden NPD-Parteivorsitzenden, Münchner Stadtrats und NPD-Kreisvorsitzenden Karl Richter wird mitgeteilt, daß „nicht alle Bürger im Freistaat Bayern Herrn Kreuzers Standpunkt teilen, sondern es im Gegenteil gerne sähen, wenn die US-Streitkräfte möglichst bald vollständig aus Bayern und Deutschland abzögen“. Nach dem Ende des Kalten Krieges bedeute die Anwesenheit mehrerer zehntausend US-Soldaten und wichtiger logistischer Einrichtungen der US-Army in Deutschland ein „erhebliches Sicherheitsrisiko für unser Land, nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer aggressiven und konfliktorientierten Politik der Vereinigten Staaten in Teilen der Welt, die von vielen Bürgern unseres Landes nicht unterstützt wird“.
Die NPD wolle „anders als Herr Kreuzer“ den US-Befehlshaber deshalb „darin bestärken, die Pläne zum Abzug der amerikanischen Truppen aus Bayern und Deutschland möglichst zu forcieren. Die NPD wird Sie dabei unterstützen, wo immer dies möglich ist.“
Natürlich muß sich niemand der Illusion hingeben, daß der amerikanische Truppenübungsplatz Grafenwöhr nun fluchtartig von den GIs geräumt wird. Aber wenn der Helotenpolitik der bayerischen Staatsregierung nur ein klein wenig in die Suppe gespuckt werden konnte, war der – selbstverständlich in tadellosem Englisch gehaltene – NPD-Brief aus München an General Hertling nicht umsonst.
München, 30.01.2012